1. Mai Bezirk Alsdorf

Die 1. Maiveranstaltungen im IG BCE Bezirk Alsdorf waren gut besucht, die Reden vielfältig!

Zahlreiche 1. Mai-Kundgebungen waren im IG BCE Bezirk Alsdorf zu vermelden. In Aachen, Alsdorf, Düren, Frechen, Hückelhoven und Stolberg gingen hunderte Menschen auf die Straßen, um für "Vielfalt, Gerechtigkeit und Solidarität" zu demonstrieren.

Sonja Gottschalk

1. Mai 2018 Alsdorf Eine 1. Mai Torte gebacken von Sonja Gottschalk für die Maiveranstaltung in Alsdorf
04.05.2017
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Hier folgt ein Auszug aus allen Reden unserer Maiveranstaltungen in der Region:

Alsdorf:
Detlef Loosz, ehemaliger Bezirksleiter im IG BCE Bezirk Alsdorf, hatte mahnende Worte im Gepäck, angesichts des in diesem Jahr anstehenden Endes des Steinkohlebergbaus. „Das ist ein schwarzer Tag für die Bergleute und für Deutschland“, so Loosz. „Ich halte diese Entscheidung für falsch und glaube, dass man in einigen Jahren dem Bergbau sicherlich nachweinen wird“. 

Auch die Versuche in der Region die aktive Braunkohleförderung ein Ende zu setzen, hatten für ihn eine negative Seiten. Insbesondere die „sogenannten Umweltschützer“, sind Detlef Loosz ein Dorn im Auge: „Das sind keine Umweltschützer, das sind Berufsdemonstranten aus ganz Europa“. Gegen Protest werde kein Gewerkschafter etwas sagen, aber das Bewerfen von RWE Power Mitarbeitern und Polizisten mit Steinen und anderem Material, aber auch Sachschäden von tausenden Euro hätten mit Protest nichts mehr zu tun. 

Ein wachsender Rechtspopulismus, der Brexit und soziale Spaltung in der Welt könnten die Gewerkschaften als starker Partner für die Demokratie mit der Politik zusammenarbeiten. Engagierte Kollegen stellen sich gegen den Rechtsruck sodas rechtspopulistische Strömungen bei Betriebsratswahlen keine Chance hatten. „Was die Rechten als Erfolg bezeichnen, spielt sich im Promillebereich ab“, sagte Loosz. Engagierte Betriebsräte hingegen stünden für Vielfalt, Solidarität und Demokratie in den Betrieben und kämpften für gute Arbeit. Und auch die Ehrenamtler, die mit 25 Millionen täglich in ihrer Freizeit Aktiven in Deutschland eine riesige Gruppe stellen, ernteten viel Lob von Loosz.

 Hückelhoven:
In Hückelhoven am Schacht 3 feiert der Kreisverband des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) schon traditionell seine Veranstaltungen zum 1. Mai. Die Schließungen der letzten beiden deutschen Steinkohle-Zechen in Bottrop und Ibbenbüren standen hier im Mittelpunkt. Der Kampf um Sophia-Jacoba und um die Schließung der Zeche vor 21 Jahren wurde noch einmal wach gerufen.

Die Bergkapelle Sophia-Jacoba spielte auf. Moderiert vom Regionalredakteur Dieter Schuhmachers – blickten Friedhelm Georgi, ehemaliger Bezirksleiter der IG BCE im Bezirk Alsdorf, Monika Rother als Vertreterin der Fraueninitiative, Detlef Stab, der Vorsitzende des Fördervereins Schacht 3 und frühere stellvertretende Betriebsratsvorsitzende von Sophia Jacoba, sowie Pastoralreferent Johannes Eschweiler als Vertreter der Kirche in einer Gesprächrunde zurück. 

Willi Klaßen, der DGB-Kreisvorsitzende, griff den bundesweiten Aufruf des DGB auf, für soziale Gerechtigkeit, mehr solidarische Politik und mehr Förderung der Vielfalt. „Nur wer sich solidarisiert, kann auch die Zukunft erfolgreich gestalten“. Man habe zwar den Strukturwandel geschafft, sei aber noch nicht am Ende dieses Prozesses. Überraschend war der Aachener Weihbischof Dr. Johannes Bündgens zur DGB-Veranstaltung gekommen. In seinem Grußwort blickte er zurück auf den Kampf der Kumpel und insbesondere auf die Unterstützung durch den damaligen Bischof Klaus Hemmerle. Die gezeigte Solidarität sei Ausdruck der Umsetzung der christlichen Nächstenliebe und sozialkatholischer Tradition. 

Friedhelm Georgi richtete den Blick als Gewerkschafter auf die Gesamtheit der Zechen in Deutschland und ihre Bedeutung – damals wie heute. Mit der Schließung der letzten Zechen verschwinde nicht nur der Bergbau, sondern es gehe auch das Know-how des damit verbundenen Maschinenbaus verloren.

Aachen:
Angeführt von der Gewerkschaftsjugend beteiligten sich rund 400 Vertreter aus Sozialarbeit, Politik und Gewerkschaften am Demonstrationszug vom DGB-Haus zum Aachener Marktplatz. Mit der Fokussierung auf regionale Belange und die E-Mobilität wurde ein neuer Schwerpunkt gesetzt, der bei den Bürgern auf reges Interesse stieß. 

Schon beim Gang zur Hauptveranstaltung über die Jülicher Straße und die Monheimsallee lagen den Marschierenden immer wieder symbolische Steine im Weg. Diese standen wahlweise für die ungleiche Bezahlung von Mann und Frau oder für befristete Arbeitsverhältnisse. 

Diese Unwegsamkeiten griff auch der Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) Aachen, Ralf Woelk in seiner Ansprache auf dem Marktplatz auf. Dort forderte er vor allem die Abschaffung von sachgrundlosen und Kettenbefristungen sowie einen entschlossenen Kampf gegen Ausbeutung:

Bei gelöster Volksfeststimmung vor dem Rathaus ging es dann mit der regionalen Arbeitsmarktentwicklung weiter. Der e.GO-Gründer, Professor Günther Schuh, baut gerade im Stadtteil Rothe Erde die Serienproduktion für das Elektroauto auf, was mittelfristig rund 500 neue Arbeitsplätze schaffen dürfte. Daniela Jansen, die bei der IG Metall Aachen das Projekt E-Mobility betreut, sieht in den neuen Arbeitsplätzen auch eine Chance für Langzeitarbeitslose, wovon es in der Städteregion besonders viele gebe. „Die berufliche Bildung, Qualifizierung und Weiterbildung können wir zu einem Paket binden, das dann möglichst gewinnbringend auch durch Aachen tragen“, sagte sie. 

Vor allem diese Diskussionen um Strukturwandel und zukunftsfähiger Industrieproduktion lockte viele Bürger vor die Bühne auf dem Marktplatz. Dort präsentierten sich neben den Parteien und Gewerkschaften auch Sozialverbände und Friedensbewegungen sowie Vertreter des Kurdischen Volkshauses Aachen. Sowohl beim Demonstrationszug als auch bei der Kundgebung gab es keine gewalttätigen Zwischenfälle.

Düren.
Mit der Enthüllung auf einem Findling angebrachter Gedenktafel, begann der Weg des Demonstrationszuges des DGB am Tag der Arbeit in der Kreuzstraße. Die Enthüllung führte der Geschäftsführer der DGB-Region NRW Süd-West, Ralf Woelkachte aus. Sie erinnert an die Besetzung des ADGB-Hauses am 2. Mai 1933, das an dieser Stelle stand.

Der Zug durch die Innenstadt führte die Gewerkschafter anschließend zum Ahrweilerplatz zur zentralen Kundgebung. Dort hatten verschiedene Einzelgewerkschaften Informationsstände aufgebaut und der Liedermacher Klaus Kläs trug Arbeiterlieder vor.

Der Vorsitzende des DGB-Kreisverbandes Ludger Bentlage warnte in seiner Rede vor etwa 100 Zuhörern vor immer stärker aufkeimenden rechtsextremen Gedankengut und damit einhergehenden Aktionen. Kernpunkt seines Aufrufes war die Forderung nach mehr sozialer Gerechtigkeit, mehr solidarischer Politik und mehr Förderung der Vielfalt.

Es gibt in der Region Potenzial für neue Firmen mit zukunftsfähigen Arbeitsplätzen und für deren Ansiedlung und Förderung seien Bundes- und Landeszuschüsse erforderlich, unter anderem für Umschulungen und Weiterbildungen. Auch ein gerechteres Steuersystem, eine solide Infrastruktur und bezahlbare Wohnungen sowie gute Bildungsmöglichkeiten für Kinder, eine Erhöhung der gesetzlichen Rente und die Abschaffung von Niedriglöhnen, Mini- und Midijobs standen auf Bentlages Forderungsliste.

Der DGB-Kreisvorsitzende ging auch drastisch auf die Absichten der AfD ein und rief dazu auf, diese Partei nicht weiter zu stärken. Er sprach gegen deutsche Waffenexporte und für Solidarität, Vielfalt und Gerechtigkeit.

Stolberg:
Unter das Motto „Solidarität, Vielfalt und Gerechtigkeit“ hatten die Industriegewerkschaften Bergbau, Chemie, Energie und Metall den „Tag der Arbeit“ gestellt und mit zahlreichen Besucher am 1. Mai auf dem Kaiserplatz gefeiert. Für eine kurzweilige Unterhaltung sorgte ein buntes Bühnenprogramm.

Martin Peters von der IG Metall blickte in seiner Ansprache zwar auf erfolgreiche Tarifrunden zurück, mahnte aber auch: „Uns steht allerdings noch ein Großkonflikt ins Haus.“ Die Arbeitgeberverbände würden beharrlich versuchen, das Arbeitszeitgesetz zu durchlöchern. Dieses biete in seiner jetzigen Form aber bereits genug Flexibilität, so dass Peters forderte: „Keine Verschlechterung des gesetzlichen Mindeststandards, keine Experimente beim Arbeitszeitgesetz!“ 

Peter Alt von der IG BCE plädierte für gute Bildung für alle Kinder, bezahlbaren Wohnraum und Renten, die älteren Menschen ein Leben in Würde ermöglichen, aus. „Der Mindestlohn müsste noch erheblich angehoben werden“, meinte Alt und hob gleichsam die Rolle der Gewerkschaften hervor: „Bei den von uns ausgehandelten Tarifverträgen spielt ein Mindestlohn keine Rolle“.

Die Bundestagsabgeordnete Claudia Moll beteuerte, die Gewerkschaften beim Kampf für Solidarität, Gerechtigkeit und eine weltoffene, vielfältige Gesellschaft zu unterstützen. „Unser gemeinsames Ziel muss die Vollbeschäftigung in Deutschland sein und alle Menschen in unserem Land müssen verlässlich abgesichert sein“, erklärte Moll. Selbstkritische Töne schlug der Landtagsabgeordnete Stefan Kämmerling an: „Wir Sozialdemokraten waren zuletzt viel zu häufig mit uns selbst beschäftigt.“ Aber die Partei habe auch gezeigt: „Wenn es in der Demokratie hart auf hart kommt, dann ist die SPD zur Stelle und übernimmt Verantwortung“.

Frechen:
Die Kundgebung und das Familienfest am "Klüttenbrunnen", am Rathaus in Frechen stand am Tag der Arbeit in diesem Jahr unter dem Motto Vielfalt, Gerechtigkeit, Solidarität. 

Die Maikundgebung vor dem Rathaus begann mit der Eröffnung und Begrüßung durch den Vorsitzenden des DGB-Kreisverbandes Rhein-Erft, Siegfried Dörr. Es folgt ein Grußwort der Bürgermeisterin der Stadt Frechen, Susanne Stupp. Die Mairede hielt in diesem Jahr Wilfried Otten, Gewerkschaftssekretär der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG). Verschiedene Stände boten die Möglichkeit, sich zu gewerkschaftlichen, gesellschaftlichen und politischen Themen zu informieren. 

Die zunehmende soziale Spaltung gefährdet unsere Gesellschaft, unser Zusammenleben, unsere Demokratie, so Siegfried Dörr. Es geht um die Alltagsprobleme der Menschen und nicht um die Kapitalinteressen von Konzernen. In ganz Deutschland fressen die Mietzahlungen mittlerweile die Gehälter auf: Rund 40 Prozent der Haushalte in Ballungsräumen müssen mehr als 30 Prozent ihres Nettoeinkommens ausgeben, um ihre Miete zu bezahlen. Manche Mieter zahlen 40 oder 50 Prozent ihres Einkommens fürs Wohnen. Etwa 1,3 Millionen Haushalte haben nach Abzug der Mietzahlung nur noch ein Resteinkommen, das unterhalb der Hartz-IV-Regelsätze liegt.

Das sieht im Rhein-Erft-Kreis nicht viel anders aus. Wegen seiner Nähe zu Köln haben die Mieten im Rhein-Erft-Kreis beinahe Großstadtniveau erreicht.

Ich frage mich, wie soll denn ein Gemeinwesen, wie soll eine Stadt funktionieren, wenn Durchschnittsverdiener es sich nicht mehr leisten können, dort zu wohnen, wo seine Arbeitsstelle liegt? Das gilt für eine Krankenschwester, eine Polizistin, einen Feuerwehrmann, einen Busfahrer oder einen Mann der Müllabfuhr.

Es darf nicht sein, dass die Gewerkschaften gute Lohnerhöhungen erkämpfen und die Menschen nichts davon haben, weil immer mehr in die Kassen von Immobilienunternehmen oder Spekulanten zurückfließt. Bezahlbares Wohnen ist ein Menschenrecht. Der Mietenwahnsinn muss gestoppt werden! Dazu kann und muss die Politik an verschiedenen Stellschrauben drehen.

Der Rhein-Erft-Kreis hat in der Vergangenheit immer von der Braunkohle und der Energiewirtschaft gelebt. Deshalb ist die Gestaltung der Energiewende eines der wichtigsten Zukunftsprojekte für die Menschen im in unserer Region.

 Mit der Energiewende verbinden sich großen Chancen, wenn wir Innovationen umsetzen, und damit Wohlstand und Arbeitsplätze sichern. Volkswirtschaften, Regionen, Branchen, Unternehmen und Beschäftigte befinden sich bereits mitten in tiefgreifenden Veränderungsprozessen. Industrien und Wertschöpfungsketten verändern sich. Berufsbilder entstehen neu oder werden angepasst. Wind- und Solaranlagen werden ausgebaut. Elektro-Autos kommen auf die Straße. Die Stromnetze werden ausgebaut und technische Innovationen werden entwickelt.

Aufgabe der Gewerkschaften ist es, dafür zu sorgen, dass dieser Wandel gerecht gestaltet wird. Die deutschen Gewerkschaften aber auch der Internationale Gewerkschaftsbund fordern, diesen gravierenden Umbau aktiv durch einen handlungsfähigen Staat zu begleiten. Und diesen gravierenden Umbau eben auch gerecht zu gestalten! Deshalb haben wir es begrüßt, dass die Forderung nach einem gerechten Strukturwandel – im Englischen „Just Transition“ – auch im Pariser Klimaschutzabkommen verankert wurde. Für die Energiewende in Deutschland folgt daraus: In der Energie- und Klimapolitik müssen die Auswirkungen auf Beschäftigung in den Mittelpunkt gestellt werden

Kohle- und Gaskraftwerke liefern beim Umbau Sicherheit im Wandel. So lange die erneuerbaren Energien noch nicht ausreichend und verlässlich Strom liefern können, brauchen wir konventionelle Kraftwerke. Die Politik muss die Rahmenbedingungen so weiterentwickeln, dass die Kraftwerke sich am Markt behaupten können und die Beschäftigten eine Perspektive haben.

Quelle Aachener Zeitung, Auszüge aus der Berichterstattung vom 03.05.2018

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