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Aus der Geschichte für die Zukunft lernen – Gewerkschafter/innen decken Gräueltaten während der NS-Zeit auf

Unter der Überschrift „Aus der Geschichte für die Zukunft lernen“ beschäftigen sich Dürener Gewerkschafter/innen mit der Geschichte ihrer Region in der Zeit des Nationalsozialismus. „Mit engagierten Kolleginnen und Kollegen erarbeiten wir „Geschichte von unten“. Wir wollen die „vergessenen“ historischen Themen wieder auf die Agenda setzen“, erklärt Ludger Bentlage, Vorsitzender des DGB-Kreisverbands Düren.

Ludger Bentlage

DGB Gedenktafel Düren Kreuzstraße

Vor einiger Zeit machten sich die Dürener Gewerkschafter/innen auf Spurensuche. Unter welchen Bedingungen lebten und schufteten die Zwangsarbeiter/innen im Strafgefangenenlager Arnoldsweiler? Wie viele Bürger/innen aus dem Kreis Düren wurden ins KZ verschleppt und wie viele von ihnen waren Gewerkschaftsmitglieder? Und nicht zuletzt, wie waren die Bedingungen, unter denen unsere Kollegen und Kolleginnen sich damals für gewerkschaftliche Ziele stark gemacht haben. Es geht der Gruppe rund um den DGB-Kreisverband Düren nicht nur darum, die Machenschaften der Nazis aufzudecken, sondern sie wollen auch die Bürger und Bürgerinnen Dürens über diese Gewalttaten aufklären und dafür sensibilisieren, dass so etwas auch heute noch passieren kann – dass es aber nie wieder passieren darf.

Im Folgenden werden 3 Schlaglichter auf gewerkschaftliche Erinnerungsarbeit im Kreis Düren geworfen.

In Arnoldsweiler, einem Dürener Stadtteil wurde in der Zeit des Nationalsozialismus ein umfangreicher Barackenkomplex, umgeben von Wachtürmen, gebaut. Dies war das Kriegsgefangenlager Stalag VI H, eine Außenstelle des des Stalag VI A Hemer.)

Tausende polnischer, französischer und später russischer Kriegsgefangener und Zwangsarbeiter waren hier interniert. Viele hunderte von ihnen lebten und starben unter grausamen Umständen.

Erst als im Sommer 1960 die Toten auf dem Friedhof in der Merzenicher Heide exhumiert wurden, um auf den Ehrenanlage in Simmerarth Rurberg ihre letzte Ruhestätte zu finden, wurde das ganze Ausmaß des Massensterbens und Mordens einer breiten Öffentlichkeit bekannt: Statt der ursprünglich geschätzten 500 wurden schließlich über 1500 Tote umgebettet. Und es steht fest, dass dies nicht alle Opfer waren, denn viele wurden, wie sich Zeitzeugen erinnern, mit einem Pferdefuhrwerk davon gekarrt und statt auf dem Friedhof in der Merzenicher Heide begraben.

Die Verhältnisse im Lager waren katastrophal, vor allem weil viele Kranke aus den umliegenden Industrie- und Kohlerevieren in das Lager eingeliefert wurden. „Hier nach Arnoldsweiler kamen die Gefangenen zum Sterben“, erinnert sich ein damals als Sanitäter eingesetzter Deutscher. Etwas besser hatten es die außerhalb des Lagers untergebrachten Zwangsarbeiter, von denen die meisten in der Landwirtschaft eingesetzt waren.

Aber auch hier wurden Gräueltaten verübt, wie die Hinrichtung von 2 polnischen Zwangsarbeitern in Echtz belegt. Sie wurden wegen angeblicher Rassenschande getötet. Damit  dies nicht vergessen wird, wurden auf Veranlassung der IGBCE Ortsgruppe Düren Stolpersteine des bekannten Künstlers Gunter Demnig in einer Feierstunde verlegt.

Die Ortsgruppe Düren der IG BCE, Bezirk Alsdorf hat weiterhin eine Wanderausstellung zum Zwangsarbeiterlager Arnoldsweiler erstellt. Diese wurde bereits an verschiedenen Orten gezeigt und von diversen Schulklassen und Interessierten besucht. Zum Rahmenprogramm der Ausstellung gehören Informationsveranstaltungen und Zeitzeugengespräche. Ulrich Titz, Mitglied in der IG BCE Ortsgruppe und im DGB-Kreisverband erklärt: „Die Geschichte um das Strafgefangenenlager darf nicht in Vergessenheit geraten. Es gilt, sich jeden Tag und bei jeder Gelegenheit gegen Rassismus, gegen völkisches Gedankengut und für Demokratie, Solidarität und Vielfalt in unserer Gesellschaft einzusetzen“.

Der Gedenkplatz für die Opfer des Kriegsgefangenenlagers ist inzwischen in die Jahre gekommen. Der DGB-Kreisverband Düren setzt sich zurzeit für die Wiederherrichtung dieses Ortes ein, so dass dieser wieder zum Verweilen und Gedenken einlädt.

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