Ortsgruppen

Seit 1944 in der Gewerksschaft

Frechen: 140 Mitglieder stark ist die Ortsgruppe Frechen-Bachem der IG BCE (Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie), aber so hohe Jubiläen ihrer Mitglieder, wie bei der diesjährigen Versammlung, werden sehr selten gefeiert. Gleich zwei Mitglieder, Hubert Vetter und Josef Baumann, wurden vom ersten Vorsitzenden Gerhard Nothhelfer, für ihre 75-jährige Mitgliedschaft mit jeweils einer Urkunde und einer goldenen Taschenuhr ausgezeichnet.

Magdalena Marek

Jubilare OG Bachem 2019 Vorsitzenden OG Bachem Gerhard Nothhelfer (2.v.li.), Hubert Vetter (3.v.li.) und Josef Baumann (4.v.li.) mit dem Vorstandsteam und anderen Jubilaren

14 Jahre alt war Hubert Vetter, als er seine Lehre als Betriebsschlosser bei der RWE Hauptwerkstatt Grefrath anfing. Im gleichen Jahr startete auch Josef Baumann seine Ausbildung als Schreiner in einem Kölner Holzbauunternehmen. Seit diesem Zeitpunkt, 1944, waren beide Gewerkschaftsmitglieder. „Das war damals allerdings keine freiwillige Entscheidung“, erzählte Baumann im Vorfeld der Ehrung, denn wer damals in einem Betrieb eine Lehre anfing, gehörte automatisch der Deutschen Arbeitsfront (DAF) an, die zur Zeit des Nationalsozialismus der Einheitsverband der Arbeitnehmer und Arbeitgeber war.

Während Hubert Vetter bei RWE blieb, dort mit 42 Jahren seinen Meister machte und bis zur Pensionierung tätig war, schlug sein Mit-Gewerkschafter, wie er sagt, eine „seltene Laufbahn“ ein. Nachdem er sich 1952 zum Schlosser hat umbilden lassen, war er seit 1959 Betriebsrat im Tagebau Frechen, von 1972 bis 1981 Betriebsrats-Vorsitzender und zwei Jahre später sogar Gesamtbetriebsrats-Vorsitzender. Es folgten weitere Stationen unter anderem als Arbeitnehmervertreter im RWE-Aufsichtsrat und Mitglied der Vertreterversammlung der Bundesknappschaft. Insgesamt 30 Jahre war er Gewerkschaftsvorsitzender und engagierte sich auch politisch, so von 1975 bis 1979 als Mitglied des Stadtrates der Stadt Frechen.

Für seine Jahrzehnte langes Engagement wurde er 1983 mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande geehrt. Wie wichtig er in seiner aktiven Zeit war, unterstreicht Baumann mit einem Brief. Es ist eine Einladung vom damaligen Bundeskanzler Helmut Schmidt, der ihn bei einem Besuch 1980 zu einem Treffen einlädt. Wie ist so ein Werdegang möglich? „Ich habe viele Lehrgänge gemacht und Selbstschulung betrieben“, erzählte lachend der fast 90-Jährige. In seiner Freizeit habe er sich mit Gesetzen befasst und konnte so immer mitreden.

Magdalena Marek

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